Courrier / Communications

Ärzte VS Internet

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2019.18085
Date de publication: 14.08.2019
Bull Med Suisses. 2019;100(33):1068

Dr. rer. publ. HSG Roland Burkhard, Bern

Ärzte VS Internet

Die SRF-Sendung «Ärzte VS Internet» schaue ich mir regelmässig an. Allerdings lediglich zum Spass. Denn mit einer seriösen Diagnose von Krankheiten hat diese Show ­absolut nichts zu tun, sie ist lediglich billige Unter­haltung. Und der Nutzen (oder gar ­Schaden?) solcher Sendungen ist durchaus fragwürdig.

Denn die Sendung gaukelt dem Zuschauer vor, man könne für teils komplexe Erkrankungen innert kürzester Zeit, so quasi im ­Sekundentakt, eine seriöse Diagnose stellen: Sei dies mittels spontaner Internetabfragen, sei es durch eine fachliche ärztliche Beurteilung. Beides ist schlichtweg unmöglich.

Die in der Sendung von den Patienten für die Beurteilung ihres Falles gelieferten Basis­informationen erfolgen unter enormem Zeitdruck, sind teils widersprüchlich und lassen sich mit Ja/Nein-Antworten nicht zureichend klären. So fallen denn die Antworten sowohl des Ärzteteams als auch jene der «Internet-Ärzte» aufgrund des Zufallsprinzips kaum sehr unterschiedlich aus. Aus «Political Correctness» lässt man dann zumeist das Ärzteteam «gewinnen».

Für eine wirklich seröse Beurteilung, Dia­gnose und Therapie eines Krankheitsfalles ­bedarf es nicht einer SRF-Unterhaltungssendung, sondern eines guten Hausarztes, der seine Patienten aufgrund langjähriger Betreuung und der Kenntnis ihrer Krankengeschichte bestens kennt. Nur so lassen sich neu aufgetretene Krankheitssymptome richtig einordnen. Und der Hausarzt wird im Falle ­eines nicht von ihm behandelbaren Problems dann sofort die Überweisung an einen spezialisierten Arzt oder die dringende Einweisung in ein Spital veranlassen.

Dass sich die Patienten heute via Internet über ihre allfälligen Erkrankungen informieren, ist bei weitem nicht nur schlecht. Denn das führt dazu, dass sie sich vermehrt über Gesundheitsrisiken orientieren und aufgetretene Krankheitssymptome besser wahrnehmen. Der grösste positive Effekt der heute gängigen «Internet-Selbstmedizinaldiagnostik» ist deshalb vielleicht der, dass die Patienten über die Symptome ihrer Erkrankung mehr nachdenken und sie diese ihrem Hausarzt in weitaus konziserer Form mitteilen können. Um was für eine Krankheit es sich dann genau handelt, sagt ihnen Internet eh nicht. Dafür braucht es weiterhin den Hausarzt oder den Spezialisten.

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