Courrier / Communications

Lungentransplantierte schütteln den Kopf

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2019.17795
Date de publication: 17.04.2019
Bull Med Suisses. 2019;100(16):581

Peter Padrutt

Präsident NOVARIA

Verein der Schweizer Lungentransplantierten

Lungentransplantierte schütteln den Kopf

Brief zu: Frei A, Aemissegger U, Beerli A, Sicher M, Stoffel G. Organspende am Lebensende. Schweiz Ärzteztg. 2019;100(14):508–10.

Die Patientengruppe der Schweizer Lungentransplantierten ist befremdet über einen Artikel in Ihrer Zeitung, der einem Verein eine Plattform gibt, der die Organspende radikal verbieten will. Wir schütteln den Kopf, und zwar weniger über die Argumentation dieser Gruppe, die wir zwar nicht nachvollziehen können. Nein, wir wundern uns, dass die ­renommierte Schweizerische Ärztezeitung ­einer kleinen radikalen Gruppe so viel Raum gibt, die eine seit Jahrzehnten etablierte Therapieform in Frage stellt. Man käme wohl auch nicht auf die Idee, Querschläger zu Wort kommen zu lassen, welche zum Beispiel aktuelle Krebstherapien generell in Frage stellen oder Operationen am offenen Herzen verbieten wollen.

Der Artikel würde «echte Fragen» aufwerfen, heisst es in einem Kommentar Ihrer Zeitung. Dabei ist die Frage des Hirntods in der Schweiz durch Ethik-Kommissionen und rechtliche Grundlagen längst geregelt. Natürlich ist es wichtig, dass der Hirntod eines Patienten in ­jedem einzelnen Falle immer wieder genau geklärt werden muss. Auch die Frage der Widerspruchslösung soll und darf kontrovers geführt werden – das halten wir sogar für wichtig. Jeder darf seine eigene Meinung haben. Aber blicken wir nach Deutschland, wo die Widerspruchslösung derzeit heftig diskutiert wird. Selbst dort ist man sich über Parteigrenzen hinweg einig, dass die Organspende unbestritten gefördert werden muss. Niemand stellt sie generell in Frage.

Im übrigen möchten wir noch erwähnen, dass wir Transplantierten im erwähnten Artikel keine Stimme haben. Wir existieren offenbar nicht für die Gegner der Organspende. Gerne laden wir die Schweizerische Ärztezeitung ein, uns einmal bei einem unserer Treffen zu besuchen. Sie können sich ein Bild davon machen, wie glücklich Menschen sein können, denen dank einer neuen Lunge ein zweites Leben geschenkt wurde.

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