Courrier / Communications

Budget-Medizin: Eine düstere Zukunft für unser Gesundheitswesen

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2019.17456
Date de publication: 16.01.2019
Bull Med Suisses. 2019;100(03):44

Dr. med. Thomas Huber, Burgdorf

Budget-Medizin: Eine düstere Zukunft für unser Gesundheitswesen

Brief zu: Wille N, Schlup J. Auswirkungen von Budgets auf die ambulante Versorgung. Schweiz. Ärzteztg 2018;99(49):1724–-5.

Schlup J. Cui bono? Von der Einkommens-Skandalisierung zum Globalbudget. Schweiz. Ärzteztg 2018;99(49):1723.

Der ausgezeichnete Artikel und insbesondere das Editorial unseres Präsidenten zeigen, wie weit fortgeschritten die Vorgänge zur Etablierung einer staatlich dirigierten Gesundheitswesens in der Schweiz sind. Offensichtlich steht nicht die Sorge um die Erhaltung einer qualitativ guten und patientenfreundlichen Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung im Vordergrund, sondern die Realisierung von planwirtschaftlichen Ideen. Dies zeigt schon der Umstand, dass das bevorstehende Scheitern der Budgetmedizin in unserem nördlichen Nachbarland von den zuständigen Stellen geflissentlich übersehen wird.

Dass mit gezielt in den Medien platzierten tendenziösen Meldungen, Verzerrung der Sachverhalte und Unwahrheiten gearbeitet wird, entspricht bekanntlich dem aktuellen Trend in vielen, auch demokratischen Ländern. Diesen Vorgängen Richtigstellungen und Rechtfertigungen entgegenzusetzen, ist zwar notwendig und legitim, leider aber meist ohne nachhaltigen Effekt.

Ein kardinales Element der freien Marktwirtschaft ist im Rahmen der aktuellen Entwicklung gänzlich verloren gegangen, nämlich 
die Konstanz der Umgebungsbedingungen. Damit ist die Planbarkeit von Investitionen eingeschränkt. Dies wird nicht nur das Aussterben von Einzelpraxen beschleunigen, ­sondern generell die Entwicklung von privatwirtschaftlichen Institutionen im Gesundheitswesen behindern.

Die Ausarbeitung eines fairen und betriebswirtschaftlich korrekten Tarifs (TARCO) ist vordringlich und könnte uns vor der Planwirtschaft retten. Ob dies ausreicht, muss angesichts der vor der Umsetzung stehenden Kostendämpfungspakete I und II des EDI ­allerdings bezweifelt werden. Die bewährte Strategie «Divide et impera» (teile und herrsche) hat sich erfolgreich ausgewirkt, die Ärzteschaft ist einer Neidkultur unterlegen und damit blockiert. Sie müsste sich aber zu weitergehenden Massnahmen durchringen und ihr Gewicht als pivotaler Leistungserbringer im Gesundheitswesen ausspielen. Schon die Demonstration einer geeinten Front hätte hier eine massive Wirkung, wie dies die Ärzte-Manifestation auf dem Bundesplatz 2006 deutlich gezeigt hat. Leider hat man dieses Momentum damals nicht weiter entwickelt.

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