Courrier / Communications

Im Sog der Cannabismär

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2019.17454
Date de publication: 16.01.2019
Bull Med Suisses. 2019;100(03):43-44

Dr. med. Daniel Beutler-Hohenberger, Thun

Im Sog der Cannabismär

Brief zu: Zullino D, Büche D, Cattacin S, Beck T, Penzenstadler L
 Gute Argumente, unhaltbare Schlussfolgerungen. Schweiz Ärzteztg. 2018;99(49):1758-61.

Spätestens seitdem grosse Finanzinstitute 
das Potential des Cannabismarkts entdeckt haben, scheint dessen Legalisierung unaufhaltbar. Auch den staatlichen Steuereintreibern juckts bereits in den Fingern, rechnet man doch mit Millionengewinnen. Wer will das noch stoppen? Konjunkturbremsen? Hinterwäldler? Ganz bestimmt nicht die «Swiss Society of Addiction Medicine» und ihre Exponenten, von denen einige selber ab und zu zum Joint greifen – ich war ja selber ein Kiffer und Hanfaktivist, bis mich eine drohende Psychose auf den Boden der Realität brachte. Prof. Barben, dem ich zu seinem mutigen Artikel gratuliere, gelangt mit seiner Argumentation zu einer Schlussfolgerung, welche den Hanffreunden gar nicht passt. Die Autoren der Replik hingegen bringen es nicht über eine gestelzte Lektion Argumentationsseman­tik hinaus. Ihre Schlussfolgerung bleibt auf der Strecke, obschon sie den Kernbegriff der Cannabisproblematik verbal kurz streifen – Vulnerabilität! In unserem Land leben ein paar zehntausend Menschen, welche vulnerabel sind, d.h. unter dem Cannabiskonsum psychische Probleme bis hin zu Psychosen ent­wickeln. Die zentrale Frage lautet also: «wie schützen wir diese Menschen?!». Ganz sicher nicht durch eine Legalisierung! Erstens hat die europäische Schülerbefragung ESPAD ohne jeden Zweifel aufgezeigt, dass der Cannabiskonsum in der Regel zunimmt, je liberaler die Hanfpolitik im entsprechenden Land ist. Zweitens ist bekannt, dass in Colorado, wo Cannabis seit 2012 legal ist, der Anteil kiffender Jugendlicher fast 40% (!) höher ist als in anderen US-Staaten. Diese Fakten zu unterschlagen, ist ebenso «intellektuell unredlich» wie die Tatsache zu ignorieren, dass die vermeintlichen Steuermillionen in gewissen US-Staaten nicht mehr ausreichen, um die Aus­lagen für Verkehrsunfälle, Studienabbrecher, sowie steigende Kriminalität und Gesundheitskosten zu decken. Ganz zu schweigen vom Schwarzmarkt, der sich nicht ausbooten liess und die Länder mit «reguliertem Cannabismarkt» mit Hochprozentigem versorgt. In der Präambel der Bundesverfassung steht, dass sich «die Stärke des Volks am Wohl der Schwachen misst» – also echte Solidarität mit vulnerablen Menschen und nicht zugedröhnte 68er-Romantik.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close