Courrier / Communications

Outcome orientierte Laborverordnungen oder Präzisionsmedizin

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.17235
Date de publication: 10.10.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(41):1406

Prof. Dr. med. Reto Krapf, Liestal

Outcome-orientierte Laborverord­nungen oder Präzisionsmedizin

Brief zu: Aujesky D, Bassetti S, Battegay E, Cornuz J, Hess C, Leuppi J, Müller B, Reny JL, Rodondi N, Vollenweider P, Wae­ber G, Gaspoz JM. Aktionsplan für die Universitäre Allgemeine Innere Medizin. Schweiz Ärzteztg. 2018;99(38):1262–5.

Ich möchte der Gruppe von Chefärzten der universitären Kliniken für Allgemeine Innere Medizin herzlich danken und zu ihrem ­Aktionsplan zur nachhaltigen Attraktivitäts­steigerung der Inneren Medizin für den Nachwuchs gratulieren (und natürlich viel Erfolg wünschen). Fast wie eine «contradictio in adiecto» las sich aber der Folgeartikel im gleichen Heft – aus eben einer universitären internistischen Klinik. Eines der propagierten Grundprinzipien («Verordnen Sie keine Laboruntersuchungen, die keinen Einfluss auf die Behandlung haben») ist m.E. von einem etwas vereinfachenden Outcome-Denken und der Motivation, gesundheitsökonomischen Beifall zu ergattern, geprägt. Es ist eine zentral wichtige, wenn auch schwierige Aufgabe der stationären (nicht nur der Inneren!) Medizin, eine ursächliche Diagnose zu stellen. Dazu gehört neben vielem anderen auch die Charakterisierung der Thrombophilie (von den Autor­Innnen angeführtes Beispiel). Wenn wir die Nachteile der Evidenz-basierten Medizin durch eine personalisierte(re) oder Prä­zi­sions­medizin eliminieren und wenn wir die enormen Informationsmengen der «-omics»-Analysen sinnvoll interpretieren und zum Nutzen der PatientInnen einsetzen wollen, ist folgendes von Bedeutung: Klinische Daten (Anamnese, Status, Umfeld etc.), aber auch die verschiedenen Wegstationen des biomedi­zinischen Lebensverlaufes müssen so genau wie möglich erfasst werden. So kann es sein, dass die Ursache X einer Thrombophilie in 5 Jahren auf Grund neuer Forschungen neue medizinische relevante Konsequenzen haben wird. Wer kümmert sich dann um die Umsetzung beim nicht charakterisierten Patienten? Weiter ist wichtig – wieder nur als sehr kleines Beispiel –, die Dia­gnose «Ws Grippaler Infekt» im richtigen Setting durch «Erstmanifestation eines Dengue-Fiebers» zu ersetzen, weil ein Folgeinfekt oder allenfalls sogar eine Impfung – nicht nur unbedingt mit diesem spezifischen Erreger – eine erhebliche Morbidität (zumindest!) nach sich ziehen kann.

Die isolierte Konzentrierung auf den akuten «Outcome» (zusammen mit dem immer häufiger beobachteten Nichtstun bei sog. «fehlender» Evidenz) wird kurzfristig vielleicht nicht bestraft, langfristig ist sie ein Risiko für die PatientInnen. Als Kollateralschaden steigert sie auch keinesfalls das Ansehen der Allgemeinen Inneren Medizin als akademische Disziplin.

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