Courrier / Communications

Rückschritt für selbstbestimmtes Leben und Sterben

Hans Göschke

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.06882
Date de publication: 11.07.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(2829):930

Rückschritt für selbstbestimmtes Leben und Sterben

Brief zu: Kind C. Umgang mit Sterben und Tod.
Schweiz Ärztezgt. 2018;99(24):790.

Nach meiner Arbeit als Palliativmediziner und Vertrauensarzt von Exit haben mich die neuen Richtlinien der SAMW erstaunt und enttäuscht.

Es ist nicht an uns Ärzten zu entscheiden, wieviel Schmerz und wieviel Leid ein Mensch zu ertragen hat, dies ist allein der Entscheid des autonomen und urteilsfähigen Patienten. Dass er dabei auch an seine Angehörigen denkt, ist Teil seiner Autonomie. Doch nun fordert die SAMW, auch die Selbstbestimmung der Angehörigen müsse geachtet und geschützt werden, der Umgang mit Sterben und Tod dürfe nicht zu einer Überforderung der Angehörigen führen. Im Klartext heisst dies, wenn Angehörige sich gegen den Sterbewunsch eines Menschen aussprechen, ist die Selbstbestimmung des Patienten aufgehoben. Die Möglichkeit der Sterbehilfe wurde in mehreren Volksabstimmungen mit grossem Mehr angenommen, ohne die erwähnte Einschränkung der SAMW. Dass nun die Sterbehilfe von der Zustimmung Angehöriger abhängig sein soll, ist ein Rückschritt für die Idee des selbstbestimmten Lebens und Sterbens.

Dr. med. Hans Göschke, Binningen

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