Courrier / Communications

Haben wir keine anderen Probleme?

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.06515
Date de publication: 07.03.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(10):305

Prof. em. Dr. med. Martin H. Schöni, 
Münsingen 
Ehemals Chefarzt kindermedizinische Poliklinik, Universität Bern, Inselspital

Haben wir keine anderen Probleme?

Brief zu: Kovic M. Werkzeuge gegen kognitive Verzerrungen im klinischen Alltag. 2019:99(6):185–7.

Nach dem Lesen des Artikels in der SÄZ habe ich gerade mit Erfolg in der pädiatrischen Praxis einen 6-jährigen Jungen behandelt. Die Verzerrungen dieses Problems des klinischen Alltags habe ich erkannt, mein Gehirn nach Heuristiken abgefragt und angestupst (nudging) und endlich die NaCl-Tropfen verschrieben, im Einklang mit dem debiasing für teure Medikamente.

Übrigens empfehle ich auch das nudging in der Beratung Obstipierter, da diesem Krankheitsbild ja offensichtlich eine kognitive Verzerrung zu Grunde liegt. Mit einem erlösenden Ahh kann man dann vom debiasing Gebrauch machen. Dies ist doch eine super Anwendung im klinischen Alltag.

Eine solche kognitive Verwirrung kann dem noch einigermassen vernünftig denkenden Mediziner im klinischen Alltag nur von jemandem vorgeschlagen werden, der noch nie im klinischen Alltag dabei gewesen ist. Ich empfehle jedem Leser dieser Zeilen, sich in die Internetseite der ars cognitionis, der Quelle des vorliegenden Artikels, einzuloggen, um die hehren Ziele dieser Gmbh mit selbst ernannten Businessangels zu erkennen. Man fragt sich allen Ernstes wie eine Zeitschrift der Standesorganisation für Mediziner zur Publikation eines solchen Artikels kommt. Haben wir keine anderen Probleme als die hier dargestellten? Es wäre wirklich mal zu empfehlen, die Publikationsstruktur dieser Zeitschrift zu überdenken, um die kognitive Verzerrung zu erkennen. Wie die ars ­cognitionis auf ihrer Homepage wörtlich schreibt, vertreibt sie keinen Bullshit; einen grösseren als den hier dargestellten habe ich noch nie gelesen.

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