Courrier / Communications

Tarmed 2018 – empört sich denn niemand?

Alexander Erlach

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.06351
Date de publication: 03.01.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(0102):14

TARMED 2018 – empört sich
denn niemand?

Dank dem Leserbrief von Christian Larsen in der letzten SÄZ ist es nun endlich auch bei mir angekommen: ab dem 1.1.18 dürfen wir «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» neu im Einminutentakt (wie demütigend!) und zu einem Tarif von gerade mal 120.–/Std. abrechnen! Lassen wir uns eigentlich für dumm verkaufen? So weit ist es gekommen, dass wir uns so etwas gefallen lassen. Oder habe ich etwas verpasst, den empörten Aufschrei unserer Verbandsfunktionäre, die uns zu Streik oder geschlossenem Austritt aus dem TARMED aufrufen würden? Jedes Mal werden uns irgendwelche Tarifänderungen als Aufwertung und Verbesserung für uns Hausärzte verkauft und fast jedes Mal ist das gelogen oder zumindest schöngeredet, warten wir weiterhin auf eine bessere, d.h. angemessene Honorierung unserer intellektuellen Leistungen als Grundversorger. Seit wann sind unsere Stundenansätze eingefroren, sind es 15 oder eher bereits 20 Jahre? Nun werden sie also auch noch gesenkt statt erhöht. Natürlich, wir werden auch diesmal kreative Wege finden, uns an diese neuen Bedingungen anzupassen – so lange bis der letzte Hausarzt ausgestorben ist.

Dazu kommt, dass ein immer grösser werdender Personenkreis, der längst nichts mehr mit der Behandlung von Patienten zu tun hat, am Kuchen des Gesundheitswesens mit­verdienen will, von Gesundheitsökonomen und expandierenden Trustcenters bis hin zu ­E-Health- und IT-Spezialisten. Von letzteren sind wir bereits so abhängig, dass wir deren jährliche Preiserhöhungen für unsere Wartungsverträge zähneknirschend schlucken. Und keiner von denen arbeitet zu Ansätzen unter 200.–/Std., wenn ich ihn dann notfallmässig brauche.

Einige Ideen dazu hätte ich ja schon, ein eigentliches Patentrezept gegen die steigenden Kosten im Gesundheitswesen habe ich aber auch nicht. Ich kann nur sagen: «Herr BR ­Berset, bei den Grundversorgern ist nichts mehr zu holen, die Zitrone ist ausgepresst!»

 

Dr. med. Alexander Erlach, Winterthur

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