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Courrier / Communications

Soll der Schweizer Arzt auch SOP sein?

Max Konzelmann

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/bms.2017.06166
Date de publication: 08.11.2017
Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2017;98:45

Soll der Schweizer Arzt auch SOP sein?

Brief zu: Egger B, Baumann-Hölzle R, Giger M, Käch C, Kovatsch A, Meier-Allmendinger D, Pòk Lundqvist J, Schai P, Wils JP. Der «Schweizer Eid». Schweiz. Ärztezeitung. 2017;98(40):1295–7.

In der SäZ Nr. 40 lesen wir: «Die Zeit für einen neuen Eid ist reif.» Wieso, ist nicht klar. Es geht dabei ja nicht nur darum, den berufsethischen Verpflichtungen nachzuleben, sondern um das tatsächliche Ablegen des Eides durch den Arzt. Ob diese rituelle Handlung ­einen Sinn hat, ist mindestens eine Ermessensfrage und auf alle Fälle zu bezweifeln. Wir handeln ohne das auch im hippokratischen Sinn, um es etwas altmodisch auszudrücken. So wie der Patient dem Automechaniker beim Anziehen der Radmuttern ohne Ablegen eines Garantie-Eides vertraut, hat er auch in seinen Arzt Vertrauen, ohne dass dieser Reklame für sein richtiges Verhalten macht. Die Forderung nach dem Eid kann auch als Verdacht auf­gefasst werden, der Doktor würde sonst unprofessionell oder schlampig arbeiten und ­sowieso zu viel verrechnen. Einmal angenommen, nach einer Urabstimmung würde das ­Eidobligatorium eingeführt und hätten wir ausser den eidbereiten Kollegen auch Nonkonformisten, so wären Erstere nach allgemeiner Meinung die Guten und von besserer Qualität als die Abtrünnigen. Sie müssten auch speziell bezeichnet werden.

Am besten auf Englisch als «swiss oath performers» (SOP) und dürften dann ihre Rezeptformulare und Arztbriefe so bezeichnen und in der Homepage darauf hinweisen. Ob dann 
ein besonderer Taxpunktwert drinliegt, lässt sich nicht voraussagen. Man muss auch bedenken, dass das im Eid versprochene besonders menschliche, verständige, ausführliche und geduldige Arztgespräch den Rahmen 
der Tarmed-Minutage sprengen könnte. Noch ungelöst ist die Frage nach dem Eidablage-Procedere. Gibt der Arzt seinen Eid auf der kantonalen Gesundheitsdirektion, im Bureau von Alain Berset oder elektronisch ab? Unter Berücksichtigung solcher Unklarheiten darf man annehmen, dass die Zeit für einen neuen Eid wohl doch nicht gekommen ist.

Dr. med. Max Konzelmann, Glarus

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