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Courrier / Communications

Zum Geschäftsgebaren der Pharmamultis

Thomas Ritschard

DOI: 10.4414/bms.2017.05565
Date de publication: 12.04.2017
Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2017;98:1516

Zum Geschäftsgebaren der Pharmamultis

Herzlichen Dank an Frau Hurst für die mutige pointierte Stellungnahme. Die der Korruption überführte Firma Novartis bildet unter den Pharmamultis durchaus keine Ausnahme, derartige Machenschaften ziehen quer durch die Branche. Das Muster ist jeweils sehr ähnlich: Die aufgedeckte Verfehlung wird als einmaliges unglückliches Ereignis dargestellt, die Konzernleitung bedauert und behauptet gleichzeitig, keine Kenntnis gehabt zu haben, gelobt Besserung und betont ihre ethische Geschäftsausrichtung. Um möglichst wenig Aufsehen zu erregen und unangenehme Gerichtsurteile zu verhindern, wird eine Vergleichszahlung akzeptiert, die für die Firma ein Pappenstiel und für den Normalbürger astronomisch hoch ist. Dabei hat das Vorgehen System und beschränkt sich beileibe nicht auf Korruption, sondern beinhaltet z.B. auch die Unterschlagung von negativen Studien bis zur Verfälschung von Studien, das Vertuschen schwerer Nebenwirkungen, die gezielte Fehlinformation der Ärzteschaft und des Publikums, das Erkaufen von Meinungsmachern auf breiter Front ebenso wie das gezielte Ausschalten von Kritikern. Dass die Medikamentenpreise völlig übertrieben und gleichwohl von irregeleiteten Behörden abgesegnet sind, gehört natürlich auch zur Gesamtschau. Wer’s nicht glaubt oder mehr wissen möchte, lese unbedingt das Buch Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität von Peter C. Goetzsche.

Unter diesem Licht muss davor gewarnt werden, wenn sich Universitäten zunehmend um Forschungsgelder aus der Pharmaindustrie bemühen. Derartige Forschung dient kaum je dem Fortschritt, sondern ist für die Industrie ein reiner Deckmantel in der wahren Absicht, den Namen der Universität und ihrer Exponenten für das eigene Marketing dienbar zu machen. Was wirklich Not täte, wäre eine mit öffentlichen Geldern finanzierte unabhängige Forschung mit dem Ziel einer objektiven und korrekten Information der Fachwelt über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten.