Courrier / Communications

Zukunft der FMH?

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20499
Date de publication: 02.02.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(05):138

Dr. med. Stephan Meyer, 
Unterengstringen

Zukunft der FMH?

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich blicke frischpensioniert zurück auf meine 33 Jahre Einzel-Allgemeinpraxis in Zürich. In dieser Zeit hat sich die Ärzte-Landschaft stark verändert: Die Einzelkämpfer werden weniger, die Gruppenpraxen und Ärztezentren nehmen überhand, die Spezialisten über­holen die Allgemeinmediziner, die radiologischen Abklärungen gelten mehr als die klinischen Untersuchungen, die Überweisungen werden häufiger, die Digitalisierung schreitet voran, unsere Löhne stagnieren bei zunehmender Administration, immobile Patienten zu Hause und in Altersheimen werden vernachlässigt, viele Ärzte sind für ihre Patienten nicht mehr erreichbar.

Die FMH-Gremien agieren zunehmend eigenständig, die Basis wird nicht mehr mit Ur­abstimmungen konsultiert. Meiner Meinung braucht es Transparenz bezüglich der Eigeninteressen der FMH-Entscheidungsträger (bei HIN, EPD, DRG, Hausarztmodellen) und den Einbezug der Basis mit einfachen elektronischen Abstimmungen vor vollendeten Tatsachen bei so wichtigen Themen wie Wechsel von TARMED zu TARDOC, elektronischem Patientendossier (mit Kosten und Aufwand für uns), HIN-Verteuerungen, Hausarztmodellen (die den Ärzten viel Auflagen und Arbeit, aber keinen Nutzen gebracht haben), Einschränken der Seniorenärzte. Ärzte ohne Teilnahme an Hausarztmodellen wurden von den Krankenkassen stillschweigend von ihren Listen gestrichen.

Und wieso schaut die FMH einfach zu, wenn die Halbprivat- und Privat-Rechnungen unverhältnismässig hoch sind und schliesslich diese wichtigen Versicherungen im VVG zerstört werden, da sich bald niemand mehr diese Prämien leisten kann, sobald man ins «Krankheitsalter» über 60 Jahre wechselt? Dies ist nicht nur ein Problem für die Krankenkassen.

Wieweit sich die FMH für den grossen Anteil der Spitalärzte engagiert, ist mir als Selbständigem nicht bekannt, aber ich befürchte, dass im Spitalsektor einiges aus dem Ruder läuft (immer mehr und schnellere Patientendurchläufe wie am Fliessband mit Erschöpfung der beteiligten Ärzte und Pflegenden, im Namen des Profits).

Weshalb die Gesundheitsdirektion Zürich seit etwa 4 Jahren die strengsten Auflagen in der Schweiz für pensionierte Ärzte verordnet hat, ist unklar, solche Auflagen müssten federal und milder geregelt sein, schliesslich haben (FMH-)Politiker keine solchen Alterseinschränkungen. Enttäuschend ist, dass die AGZ und FMH die rechtliche Beschwerde der Seniorenärzte Zürich nicht unterstützt haben.

Dass unsere diskriminierten «praktischen Ärzte ohne FMH» einen reduzierten TARMED-Tarif haben, ist auch ungerecht, sie leisten dieselbe Arbeit, früher gab es keine solche Tarifspaltung, und nach 5 Jahren Praxis wurden auch Ärzte ohne FMH gleichgestellt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt auch in Zukunft viel zu tun, packen wir es gemeinsam an, mit Mitsprache unserer Basis! Es darf uns nicht alles gliich sii.

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