Courrier / Communications

TOUCH ME I'M SICK: Heute und vor 2000 Jahren

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19652
Date de publication: 03.03.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(09):327

Dr. med. David Künzler, 
Affoltern am Albis

TOUCH ME I’M SICK: 
Heute und vor 2000 Jahren

Brief zu: Ritzmann I. Berührendes Kranksein. 
Schweiz ­Ärzteztg. 2021;102(6):225.

Dieses T-Shirt hat mich echt berührt, weil Erfahrung zeigt, dass körperliche oder seelische Berührung wichtig ist, und das war schon vor 2000 Jahren so. Laut den Evangelien wurde ­Jesus oft berührt und berührte und heilte. Heutzutage sind Heilungen wie damals nicht wahrscheinlich, aber die Bitte «berühre mich» bleibt aktuell. Dennoch möchte ich zwei Situationen in Evangelien zitieren, die zeigen, wie wichtig Berührung ist. Zuerst möchte ich in Erinnerung rufen, dass damals Aussatz, was immer das auch klinisch wirklich war, für die Menschen ähnlich eingreifend war wie Corona heute: Kranke wurden isoliert, sie mussten sich wirklich abschotten, und niemand wusste, woher die Seuche kam. «... siehe, da war ein Mann voll Aussatz. Als er Jesus sah, verneigte er sich tief und bat, lieber Herr, wenn du willst, kannst du mich rein ­machen. Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte, ja mögest du rein werden, und sofort verschwand der Aussatz (Lk 4,12ff.).

Iris Ritzmann hat die wesentlichen Punkte erwähnt, die Berührung auslöst, und sie gelten damals wie heute: «… der Ruf nach Nähe trotz Krankheit, nach Menschlichkeit trotz Angst, kann einem rein biologistischen Denken fruchtbar entgegenwirken.»

Eine andere Geschichte ist irgendwie noch berührender: «… Da war ein grosses Gedränge [um Jesus]. In diesem war eine Frau, die schon 12 Jahre an Blutfluss litt und hatte alles was sie zum Leben besass für die Ärzte aufgewandt, die sie aber nicht heilen konnten. Sie trat herzu und berührte von hinten die Schaufäden seines Gewands und sofort floss ihr Blut nicht mehr» (Lk 8,43ff.). … Übersetzt heisst das, ihr Leben ist stets weggeflossen: nun aber ist die Lebenskraft wieder da: Die Berührung von Jesu Gewand bewirkte es, es ging eine Kraft von ihm aus.

Das Problem Nähe in Krankheit ist omnipräsent. Wie sie konkret berücksichtigt werden kann, muss von Fall zu Fall abgeschätzt werden. Falsch ist die Nonchalance, einfach zu sagen, mir passiert nichts, aber ebenso falsch, mit panischer Angst jede Berührung zu vermeiden, wobei mit etwas Klugheit doch Nähe berührend sein kann. Eine Art der Nähe ist sicher die Impfung, aber ich denke auch, dass man sich nahe sein kann, wenn Schutzmassnahmen weise eingesetzt werden.

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