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Courrier / Communications

Medizinische Wissenschaft und Kunst

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20819
Date de publication: 25.05.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(2122):728

Dr. med. Wolf Zimmerli, Oberdiessbach

Medizinische Wissenschaft und Kunst

Brief zu: Lehky Hagen M, Kuonen D. Motion für mehr Datenkompetenz im Gesundheitswesen. Schweiz Ärzteztg. 2022;103(18):609–11;Schwarzenbach J. Die pietas des Flunkerns. Schweiz Ärzteztg. 2022;103(18):612–3.

Es ist ein ergötzliches Zusammentreffen, dass in der Ausgabe 18 einerseits die «Datenkompetenz im Gesundheitswesen» mit Motion gefordert wird und andererseits die «pietas des Flunkerns» wohlwollend mit Augenzwinkern aufgezeigt wird. Einerseits kritisch, richtig, unmissverständlich die Daten über die Patienten zu sammeln und der Forschung zur Verfügung zu stellen, andererseits bei den Daten zu flunkern, d. h. zum Wohle der Patienten diese leicht abzuändern, ohne die Tatsachen aus den Augen zu verlieren. Dass es bei den beiden Artikeln natürlich nicht um das Gleiche geht, wird wohl jedem Leser klar. Einerseits handelt es sich um die immer wieder beschworene Einstellung, Medizin sei eine Wissenschaft und könne mit Algorithmen evidence based betrieben werden und andererseits, dass Medizin die Kunst ist, empathisch das Beste für den Patienten zu finden. Dass sicher beides seine Berechtigung und Richtigkeit hat, dass gerade der Arzt beides in sich haben muss, zeigt ein schönes Gedicht, das einst ein ehemaliger Präsident der BEKAG Reinholf Streit verfasste und das jeder Arzt als Künstler immer beherzigen mag:

So fordert, Arzt, Dein Patient, dass Du des Körpers Wirken kennst,

dass Du ihn regelst, die gestörten Funktionen richtig lenkst,

den Schmerz vertreibst, ihm körperliches Wohlergehen schenkst –

doch will als Mensch er von Dir voll genommen werden.

Als Freund steh Du ihm bei, im Leben und im Sterben.

Zeig seiner Seele einen Spiegel, dass er selbst sich finde

und aus Gebundenheit des Ichs zu wahrer Freiheit sich entwinde.

Behutsam zeige einen Sinn ihm auf im Leben

und weise hin ihn auf den letzten Halt im Sterben,

auf dass er klug sein irdisch Leben wohl gestalte

und schöpferisch die eigne Möglichkeit entfalte.

Sei ein Begleiter ihm auf seiner Lebensreise

als Fachmann, Mitmensch, Freund in der Dir eignen Weise.

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