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Courrier / Communications

Gravierende Impfnebenwirkungen (mit Replik)

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20681
Date de publication: 06.04.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(14):468-469

Dr. med. Hans Walter Bühler, Kandersteg

Alex Josty, Mediensprecher Swissmedic

Gravierende Impfnebenwirkungen

Willkürlich wurde letzten Herbst von BAG und Bundesrat die Gültigkeit des Covid-Zertifikats von 12 auf 9 Monate reduziert. Wegen ­eines kurzen Aufenthaltes im nahen Ausland im März 22 blieb mir keine andere Wahl, als die Booster-Impfung mit Moderna kurzfristig im Januar vorzuziehen – contre cœur! Knapp 2 Wochen später eine urticariell betonte generalisierte Dermatose mit dem bekannten unerträglichen Juckreiz. Erfolglose Absetzversuche des rasch wirksamen Antihistaminicums nach 2, später 6 Wochen nach Ausbruch. Meine Vermutungsdiagnose bzw. deren Ursache wurde dann Mitte Februar im 20 Minuten (!) und wenig später in der Tagespresse bestätigt: rund 200 Personen mit Nesselfieber als Booster-Impf-Nebenwirkung.

Zufall. Nach einer gemeinsamen Skitour Mitte März sitzen wir vier Personen aus Basel, Bern, Baden beim Abendessen in Kandersteg. Ich schlucke mein Antihistaminicum. Verwundert erfahre ich von meiner überraschten Nichte, dass auch sie unter diesem Impf-Nesselfieber leide; ihrem nicht anwesenden Ehemann deshalb sogar Cortison verschrieben wurde. Jetzt meldet sich auch die zweite Nichte und berichtet vom nahen Freund mit exakt demselben Schicksal: Booster-Nesselfieber – Antihistaminicum, ungenügend – Cortison per os! Die vierte Person am Tisch: geimpft wie wir alle, ohne solche Erfahrungen.

In diesem Moment glaube ich nicht mehr an Zufälle: unsere kleine Gruppe von vier Personen berichtet gleich vier Mal von Impf-Nesselfieber, für zwei von uns sehr unangenehm; für die zwei anderen mit Cortison-Medikation sehr gravierend! So bin ich jetzt überzeugt, dass es sich nicht mehr um «200 Fälle» handelt, sondern allein hier in der Schweiz um tausende; höchstwahrscheinlich um zehntausende von betroffenen Menschen!

Störend für mich:

– Bisher vermisse ich jegliche Stellungnahme von Impfstoffhersteller, BAG und Swissmedic. Letztere hat mir auf meine detaillierte Nebenwirkungsmeldung eine «umgehende Antwort bzw. Rückmeldung» versprochen, auf die ich seit mehr als fünf Wochen warte – offensichtlich vergeblich!

– Ohne das Ausmass dieser Flut von Nebenwirkungen abzuschätzen bzw. deren Ur­sachen zu klären, verbreitet bereits jetzt Bundes-Bern die Nachricht einer vierten Impfung im Herbst.

– Was passiert dann mit meinem Zertifikat, wenn ich sicher keine vierte Impfung mehr will? Warum wurde die Zertifikatsdauer von Covid-Genesenen erst neulich vom BAG und Bundesrat von neun auf sechs Monate herabgesetzt; völlig unbegründet und wiederum willkürlich! Nur weil man sich der EU anpassen wolle!

Ist das die Gesundheitspolitik eines souve­ränen Staates? Der bisher vom Impfpflicht-Terror unserer Nachbarländer Gott sei Dank verschont blieb. Sieht unsere moderne «wissenschaftliche Medizin» so aus, dass die Behandlung der Nebenwirkungen einer (vielleicht sinnvollen) medizinischen Massnahme Impfen mit der nächsten medikamentösen Intervention Cortison mit noch gravierenderen Nebenwirkungen erfolgt?

Replik auf «Gravierende Impfnebenwirkungen»

Ab Mitte Dezember 2021 wurden Swissmedic vereinzelt Urticaria als vermutete Nebenwirkungen nach der Booster-Impfung mit Spikevax gemeldet. Anfang Jahr wurde das Thema von den Medien aufgegriffen, die auch zur Meldung aufriefen. Heute hat Swissmedic Kenntnis von rund 1000 Fällen mit Urticaria als ­vermuteter Nebenwirkung. Swissmedic hat deshalb am 11. März eine Information zu den gemeldeten Urticaria veröffentlicht und bewertet derzeit die vermutete Nebenwirkung, die bislang unzureichend beschrieben ist.

Urticaria sind relativ häufige Erkrankungen. Dies muss mit in Betracht gezogen werden, wenn man die gemeldeten in den Kontext zu 2,15 Mio. Booster-Impfungen mit Spikevax bewertet. Bei Spontanmeldungen ist stets von einem sogenannten «Underreporting» auszugehen. Das Ausmass ist stark von der aktuellen Aufmerksamkeit gegenüber einer Reaktion abhängig. Der kurzfristige und sprunghafte Anstieg der Urticaria-Meldungen nach der Medienberichterstattung macht Rückschlüsse auf die tatsächliche Häufigkeit schwieriger.

Swissmedic ist im Rahmen der Abklärung mit anderen internationalen Arzneimittelbehörden, medizinischen Experten und dem Hersteller in Kontakt. Bislang sind Meldungen über Urticaria nach Booster-Impfung vor allem in der Schweiz auffällig. Die Ursache dafür ist noch nicht abschliessend geklärt. Sollte die weitere Bewertung bestätigen, dass Urticaria nach Booster-Impfungen mit Spikevax gehäuft auftreten, muss dies bei der Abwägung von Nutzen und Risiko der Booster-Impfungen (und gegebenenfalls auch weiterer Impfungen) berücksichtigt werden.

Swissmedic würde in diesem Fall die medizinischen Fachpersonen und die Öffentlichkeit informieren. Um diese Reaktionen und Per­sonen mit einem eventuell erhöhten Risiko möglichst exakt zu beschreiben, sind gut dokumentierte Meldungen durch medizinische Fachpersonen erforderlich. In der aktuellen Situation fehlen Daten aus Studien, sodass eine valide Bewertung vor allem von detaillierten Daten aus Spontanmeldungen abhängt.

Der Leser beklagt sich u.a. über eine ausgebliebene Stellungnahme zu seiner Meldung von Swissmedic. Meldende Fachpersonen erhalten ein ausführliches Feedback bei bestimmten Nebenwirkungsmeldungen, die ­wegen einer besonderen Relevanz vertieft bewertet wurden. Dies ist nicht zu allen Meldungen im Zusammenhang mit den Covid-19-­Impfstoffen möglich. Um die Fachpersonen und die Öffentlichkeit dennoch zu informieren, veröffentlicht Swissmedic regelmässig Berichte zu den bewerteten Meldungen auf der Website. Dort gehen wir auch auf einzelne Beobachtungen aus den Spontanmeldungen wie z.B. die Urticaria nach Booster-Impfungen ein.

Es gehört nicht zu den Aufgaben von Swissmedic, Impfempfehlungen zu machen. Auch Fragen zur Gültigkeit von Impfzertifikaten liegen ausserhalb der Zuständigkeit von Swissmedic.

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