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Courrier / Communications

Aktuelles Covid-Infekt-Management

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20654
Date de publication: 30.03.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(13):434

Prof. em. Martin Fey, Zollikofen

Aktuelles Covid-Infekt-Management

Ich leide derzeit an einem typischen Covid-­Infekt. Die PCR im Nasenabstrich wurde zeitgleich mit dem Symptombeginn als positiv gemeldet. Am Folgetag um 0.17 Uhr (als ich bereits den tiefen Genesungsschlummer pflegte) stellte mir die GD meines Wohnkantons eine Botschaft zu, ich hätte umgehend ein e-Formular auszufüllen. Die strenge Mahnung des Amtes, ich hätte das e-Formular sträflicherweise noch nicht eingereicht, folgte bereits 8 Stunden später, nämlich um 8.08 Uhr. Ich füllte es, beeindruckt durch den amt­lichen Druck, gefügig aus und wurde per elektronische Order während zweier Tage in Isolationshaft versetzt mit sofortiger Gültigkeit. Ver­längert wurde sie wegen meiner Angabe von Symptom-Persistenz. Je nach meiner Eigendeklaration der Symptome kann ich mich wohl nächstens weiterhin von der Welt abschotten, oder den Husten herunterspielen und mir damit selbst eine obrigkeitliche Bewilligung verschaffen, mich wieder unter die Leute zu mischen.

Dieses elektronische Detail-Management durch die kantonale Verwaltung mit strengen Verfügungen kontrastiert eigenartig mit der generellen Laissez-aller-laissez-faire-Covid-Strategie, die der Bundesrat am 16.2.2022 verfügte. Es ist ja denkbar, dass die verbleibenden Covid-Massnahmen (beispielsweise Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln) bald auch noch aufgehoben werden. Weshalb denn Meldungen und behördliche Anweisungen an die Covid-Patienten (weniger als die Hälfte der echten Fallzahl?), die wegen Meldung von PCR-Laborresultaten auf den kantonalen Computer-Bildschirmen landen? Leute wie mich transient einzusperren, scheint die massiven Neufallzahlen derzeit in keiner Art und Weise zu bändigen. Zur Registerführung ist diese Datenbank unnütz; denn sie ist inkomplett und Auswertungen daraus kaum verallgemeinerbar.

Man vermutet, dass die Behörden einmal mehr Aktivität mit wirksamen Massnahmen verwechseln. Wesentlich wäre meiner Ansicht nach vielmehr, der Bevölkerung bald eine vierte Impfung (zweiter «boost») anzubieten, idealerweise angepasst an die Omi­kron-Varianten. Davon ist weit und breit gar nichts zu hören, obwohl die täglich erfassten Neufallzahlen momentan durch die Decke gehen. Auch wenn es wohl grundsätzlich richtig ist, einer Covid-Durchseuchung der Bevölkerung ihren Lauf zu lassen, führen die vielen Infekte doch zu vielen Arbeitsausfällen. So habe auch ich mich aus meiner klinischen Sprechstunde verabschieden müssen; wirtschaftlich nichts Sinnvolles für das Spital. Nachbesserung des Impfschutzes («injections de rappel») ist eine wirksame Gegenmassnahme, auch wenn sie Trychler und Verschwörungstheoretiker nicht erreicht. Es ist meines Erachtens nicht mehr sinnvoll, Patienten wie mich mit computer-generierten behördlichen Massnahmen zuzudeckeln, sie an die elektronische Fussfessel zu nehmen und abgesehen davon das Thema Covid völlig beiseitezuschieben. Wann kommt welche 4. Impfung für diejenigen in der Bevölkerung, die sie sinnvollerweise gerne haben möchten?

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