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Courrier / Communications

Zur Pandemie und Verantwortung

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20650
Date de publication: 23.03.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(12):390

Dr. med. Markus Gassner, Grabs

Zur Pandemie und Verantwortung

Sars-CoV2-Viren verursachen die aktuelle Pandemie. Also liegt eine weltweite Epidemie vor. Daraus ergibt sich, dass diese Viren sich nicht an Landesgrenzen und ganz sicher nicht an kantonale halten. Massnahmen sind somit letztlich nur weltweit koordiniert effektiv.

Die Pandemie ist keineswegs verschwunden, weder in einem Kanton, einer Altersgruppe noch weltweit, im Gegenteil. Keine Regierung kann eine «Pandemie» für beendet erklären, wie bei Pocken, weder der Bundesrat noch das Parlament. Bei Massnahmen zur Eindämmung einer Pandemie ist eindeutig der Bund für die Schweiz (Confoederatio Helvetica: CH) zuständig. Die Verantwortung kann er deshalb weder aufheben noch delegieren. Auch Politiker sollten ihre «eigene Verantwortung» wahrnehmen. Die «Eigenverantwortung» kann einen Gesunden nicht vor einer Erkrankung durch hochansteckende Krankheiten schützen, höchstens das Risiko für sich und andere reduzieren.

Gesundheit ist keine Ware oder Dienstleistung, die man kaufen kann. Patienten wollen selten Kunden sein, sondern betreut werden. Dies geht nur mit Menschen, die sich gegenseitig vertrauen, helfen. Die Resilienz ist so viel wichtiger als die «Qualität» einzelner Produkte wie beispielsweise Masken oder digitale Zertifikate.

Impfen ist Bildung des Immunsystems. Die Immunität der Bevölkerung, der Schutz vor Infektionen ist wichtiger als ein Spitalbett oder die bessere Lebenserwartung des Geimpften.

Dies gilt nicht nur für Covid, auch für Masern, Hepatitis usw.! Experten, welche sich nur für partikuläre Kriterien der Impfungen einsetzen, sind entsprechend reduziert glaubwürdig.

Studierende sollten das eigene Beobachten lernen, nicht nur Algorithmen, auch Fertigkeiten und Verantwortung. Auch Ärzte müssen lernen können, im Studium, Praktikum und später. In der Ethik gibt es keinen überregionalen Common consent. Der Common consent für die erste Operation eines Patienten ist im Notfall irrelevant. Die Zeit (Zeitpunkt und Zeitdauer) bleibt immer massgebend.

Auch alte Ärzte sollten arbeiten dürfen, solange sie können. Es gibt keinen interessanteren, abwechslungsreicheren Beruf als der des (Land-)Arztes. Wie eigentlich alle Menschen ist er deswegen nicht standardisierbar. Ein hilfreicher «MAS»-Statistiker behauptete, statistisch sei jeder ab 65 «pensioniert», sogar wer weiter selbstständig arbeitet.

Der Verlauf der Pandemie zeigt die Hybris der Digitalisierung. Das Areal des Gehirns für den Daumen ist bei Älteren statistisch kleiner. Junge lernen schneller. Die Fähigkeit, eigene Synapsen zu machen, ist aber prinzipiell altersunabhängig. Das ist die Grundlage jeder Rehabilitation. Selbst wenn einem Menschen ein Teil des Gehirns fehlt, ist er deswegen nicht wertlos (invalid). Für eine gute und gerechte Betreuung multimorbider Menschen ist dies wichtig, auch bei Verhandlungen über «Tarife» der «Sozialversicherungen».

Gebt den Schulen und Altersheimen gute ­Textilien, dann machen sie schneller bessere Masken, die getragen werden. Nicht praktikable Empfehlungen wirken kontraproduktiv.

Gebt den Ärzten Impfstoffe mit optimalen Bedingungen, dann impfen sie schneller und langfristig besser als Impfzentren, nicht nur gegen Coronaviren.

Vertrauen und Resilienz ist wichtig, nicht nur zum Schutz vor Coronaviren!

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