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Courrier / Communications

Ungebührlicher Behördenangriff

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20610
Date de publication: 09.03.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(10):311

Dr. med. Michel Romanens, Stiftung für Fairness im Gesundheitswesen, Basel

Ungebührlicher Behördenangriff

Brief zu: Huber F. Das BAG soll keine weiteren Kompetenzen mehr erhalten. Schweiz Ärzteztg. 2022;103(6):174–5.

Felix Huber hat seine Positionen inzwischen auch in den Publikumsmedien verlauten lassen. Anders als die Ärzteschaft, haben die Leserinnen und Leser, liest man die Leserkommentare, offenbar durchschaut: Ein Lobbyist für ein Netzwerk ist wenig glaubhaft, und mit Pauschalverurteilungen und Auf-die-Person-Zielen ist nichts gewonnen. Bleiben wir bei den Fakten, Beispiel HTA: Felix Huber fordert, den HTA-Prozess neu aufzusetzen – mit privaten Akteuren notabene, unsere Behörden haben ja angeblich keine Ahnung. Fakt ist: In Deutschland hat die dort für HTA zuständige Organisation, das IQWiG, ihr Methodenpapier «Allgemeine Methoden» unter Einbezug aller Akteure erfochten. In der Schweiz wurde innerhalb des Projektes SwissHTA ein solches Vorgehen zwar suggeriert. Das Projekt war allerdings ein hauptsächlich von Interpharma und Santé­suisse initiiertes und alimentiertes Unterfangen. Mit dem Ergebnis, dass an seinem Ende ein «Konsenspapier» vorlag, das weder Konsens war noch Methode. In der Folge hat das Swiss Medical Board SMB als eine Mischung aus politischem Gremium und Lobbyverband eine Reihe mangelhafter HTA-Berichte produziert, bis das BAG endlich wieder das Zepter in die Hand nahm (Beispiel Statinbericht). Nein, es braucht nicht weniger behördliches Engagement, sondern mehr. Das spektakulär gescheiterte elektronische Pa­tientendossier Thomas Heinigers (SMB), das Debakel mit meineimpfung.ch und jüngst das Organspende-Register von Swisstransplant: alles Projekte, bei denen unsere Behörden hätten federführend sein ­sollen, nicht private Akteure und politische Lobbyisten mit Partikularinteressen. In diesem Zusammenhang wäre auch zu überdenken, ob die Wirtschaftlichkeitsverfahren beim Bun­desamt für Statistik nicht besser aufgehoben wären als bei Santésuisse.

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