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Courrier / Communications

Richtigstellung zum Artikel «Aducanumab: Blockbuster oder Flop?» (mit Replik)

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20604
Date de publication: 09.03.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(10):311

Prof. em. Dr. med.
 Johannes Baumann, Biel

Richtigstellung zum Artikel ­«Aducanumab: Blockbuster oder Flop?» (mit Replik)

Brief zu: Stalder H. Aducanumab: Blockbuster oder Flop? Schweiz Ärzteztg. 2022;103(4):128.

Der Artikel weist zu Recht darauf hin, dass die Zulassung von Aducanumab durch die FDA ausserhalb zusätzlicher streng kontrollierter Studien unverständlich ist. Der Hinweis auf 40% intrakranielle Hypertonie bei den behandelten Patienten ist jedoch nicht korrekt und wirkt abschreckend auf Patienten, welche in Ermangelung von Alternativen weiterhin an diesbezüglichen Studien teilnehmen wollen.

Es wurden im Gehirn von rund 40% der Pa­tienten radiologisch Blutungs- und Ödem-Herde von sehr unterschiedlichem Ausmass festgestellt. Diese führen aber nicht automatisch, sondern erst bei einem kritischen ­Gesamtvolumen, welches die intrakranielle Compliance überschreitet, zur intrakraniellen Hypertonie. Die prozentuale Gleich­setzung von radiologischen Befunden mit Hyper­tonie ist daher nicht statthaft. Es liegen keine Berichte über erhöhten Hirndruck und keine Resultate von Hirndruck-Messungen vor.

Replik auf «Richtigstellung zum Artikel ‘Aducanumab: Blockbuster oder Flop?’»

Für das Interesse von Prof. Baumann für mein «Zu guter Letzt» möchte ich mich herzlich bedanken. Seine Aussage, dass Hirnödem nicht automatisch zu Hirndruck führt, ist jedoch nicht korrekt. Zwar ist richtig, dass der Druck bei Hirnödem wegen der Kompensations­mechanismen zunächst nur leicht ansteigt. Falls das Ödem jedoch weiterbesteht oder gar zunimmt, kann sich der Hirndruck sprunghaft auf gefährliche Weise erhöhen. Deshalb sind in Studien mit Aducanumab und ähn­lichen Substanzen repetitiv bildgebende Untersuchungen unumgänglich, damit die Therapie rechtzeitig unterbrochen werden kann. Dem Patienten die Gefahr auf erhöhten Hirndruck nicht mitzuteilen, wäre weder statthaft noch ethisch.

Prof. Hans Stalder, 
Mitglied der SÄZ-Redaktion

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