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Courrier / Communications

Anordnungsmodell: essenzielle Fragen noch nicht geklärt

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2022.20572
Date de publication: 23.02.2022
Bull Med Suisses. 2022;103(08):245

Dr. med. Fulvia Rota, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP)

Dr. med. Rafael Traber, Vizepräsident der SGPP

Nanda Samimi, Eidg. Dipl. Pharm. ETH, Vizepräsidentin der Swiss Mental Health Care (SMHC)

Prof. Dr. med. Erich Seifritz, Präsident der SMHC

Anordnungsmodell: essenzielle Fragen noch nicht geklärt

Brief zu: Steffen M, Adler Y, Wenger S. Anordnungsmodell: Der Fahrplan kann eingehalten werden. Schweiz Ärzteztg. 2022;103(7):212.

Wir können nachvollziehen, dass psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten ihre Leistungen so rasch wie möglich direkt über die OKP abrechnen wollen. Aber im Gegensatz zu den Psychologinnen und Psychologen sind wir der Ansicht, dass essenzielle Fragen noch nicht geklärt sind und die Zeit für die Umsetzung viel zu knapp bemessen ist. Das haben wir in unserem Beitrag ausführlich aufgezeigt. Die Zulassungssteuerung zum Beispiel muss von Beginn weg greifen, wenn so ein umfassender Systemwechsel in Kraft tritt. Fehlentwicklungen sind im Nachhinein nur schwer zu korrigieren.

Die Situation in Deutschland, wo vor 20 Jahren ein ähnlicher Systemwechsel vollzogen wurde, sollte ein Warnsignal sein: Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten haben sich vor allem in den Städten niedergelassen. Nicht nur die Randregionen, auch psychisch schwer erkrankte Menschen sind unterversorgt, während jene mit leichten Symptomen eine Überbehandlung erfahren. Diese bedenklichen Entwicklungen sind belegt. Wir setzen uns im Interesse der Patientinnen und Patienten dafür ein, dass die Schweiz nicht dieselben Fehler wiederholt.

Ziel muss sein, dass die Mehrkosten die Ver­sorgung tatsächlich verbessern, und dass alle Patientinnen und Patienten eine adäquate Behandlung erhalten. Dies wird mit der aktuellen Ausgestaltung der neuen Verordnung jedoch nicht erreicht. So müssten sich psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten in ­ihrer praktischen Weiterbildung in psych­iatrischen Institutionen zwingend mit allen Störungsbildern auseinandersetzen, um diese später im Berufsalltag sicher zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Das ist noch nicht gegeben. Nur so wäre weiterhin eine qualitativ hochstehende psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung garantiert.

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