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Courrier / Communications

Die Task Force schwebt über dem Alltag

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19886
Date de publication: 02.06.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(22):740

Dr. med. Peter Marko, St. Gallen

Die Task Force schwebt 
über dem Alltag

Mit ihren ziemlich vielen (um 70) Mitgliedern unterliegt die «Wissenschaftliche Begleitgruppe des Bundes» (Task Force) dem Geist der überbesorgten Eltern, die ihre Kinder beschränken, wo sie nur können. Am Anfang der Epidemie war es einigermassen verständlich, aber nach bald anderthalb Jahren mit einem Haufen von neuen Kenntnissen wäre es an der Zeit zu helfen, die alten Zöpfe abzuschneiden.

Schon zu Beginn der Epidemie war klar, dass das COVID-19-Virus kein Norovirus ist, das sich leicht über Gegenstände verbreitet und die Desinfektion nötig macht. Man konnte auch bald lesen, dass das 15 Sekunden dauernde Waschen der Hände reicht, um die Coronaviren zu töten. Aber noch immer geistern die Desinfektionsmittel bei Eingängen der Geschäfte herum, auch wenn man dort die Lebensmittel unbehindert ohne Handschuhe berühren kann. Noch vor 3–4 Wochen erlebten wir im Zürcher Hauptbahnhof, wie man Abfallcontainer mit Desinfektionsmitteln traktierte!

Auch wenn es schon von Anfang an klar war, dass zu einer COVID-19-Übertragung auch in geschlossenen Räumen mehrere Minuten Kontakt nötig sind, sieht man noch immer viele Leute in der Natur nicht nur Masken tragen, sondern auch beim Vorbeigehen einen grossen Bogen um einen machen und dafür in den Graben geraten. Das erhöht nur unnötig die Ängste der Ängstlichen.

Schon 2–3 Monate ist bekannt, dass der Nachweis von COVID-19 im Speichel so zuverlässig ist wie im nasopharyngealen Abstrich, aber wir plagen auch Kleinkinder mit den Wattenstäbchen in der Nase. Warum haben unsere Autoritäten nicht den Mut, diese «Befreiungs­schläge» zu verkünden und damit das Leben leichter zu machen? Das grösste Versäumnis scheint mir die Vernachlässigung des «Kollektivtracings». Während das «individuelle» Tracing wegen der Überlastung teilweise ausgesetzt wurde, sind uns die Gründe, warum sich die Infektion verbreitet und wieder abflaut, in vielen Details noch unbekannt.

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