500
500

Courrier / Communications

Der Merkurstab, ein falsches Symbol für Mediziner in der COVID-Zeit (avec réplique)

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19884
Date de publication: 02.06.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(22):738

Dr. med. Kyriakos Xafis, Laupen

Dr. med. Jana Siroka, Mitglied des ­Zentralvorstands der FMH und ­Departementsverantwortliche Stationäre Versorgung und Tarife

Der Merkurstab, ein falsches Symbol für Mediziner in der COVID-Zeit (mit Replik)

Brief zu: Siroka J. Die COVID-Impfung und der Merkurstab. Schweiz Ärzteztg. 2021;102(19–20):639.

Ich habe mit grossem Interesse das Editorial der sehr geehrten Kollegin Frau Dr. Siroka mit dem Titel «Die COVID-Impfung und der Merkurstab» gelesen. Angetrieben von guten Absichten und mit gutem Gewissen präsentiert hier die Kollegin eine imperative Realität, sie tut es aber gleichzeitig durch eine fragwürdige Interpretation eines wohl besonders heiklen Symbols.

Das «Kirykeion», Caduceus oder anders Hermesstab, später auch durch die Römer Merkurstab genannt, war ursprünglich ein Symbol des Handels, gelegentlich wurde es auch als das Symbol der Räuber verwendet. Viel später und aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Stab des Äskulap, wurde es regelmässig als Symbol der Mediziner verwendet und hat sich mit der Zeit als solches etabliert.

Während einer Krise, wie diese von COVID, den Merkurstab als «Symbol der Erkenntnis des Umgangs mit Polaritäten» zu verwenden ist zwar richtig. Es wird aber, und zwar aufgrund der Bedeutung des Symbols, die Frage gestellt, von welchen Polaritäten wir gerade sprechen.

Auf der einen Seite die Erkrankung, der Schmerz, der Verlust, die finanzielle Zerstörung und auf der anderen Seite die wenigen, die durch diese Krise schwerreich geworden sind. Eine Impfung, die für die Rettung der Menschheit und die Wiedereroberung der ehemaligen Normalität so wichtig ist, und auf der anderen Seite Firmen, die die Impfpatente nicht freigeben wollen. Auf der einen Seite der kleine Laden oder der allein kämpfende niedergelassene Arzt und auf der anderen Seite die gigantischen internationalen E-Shops und die grossen Gesundheitskonzerne.

Der Merkurstab repräsentiert, vor allem jetzt in der Mitte einer Gesundheitskrise, eine gefährliche Polarität, eine grosse Spanne in der Gesellschaft und zwischen den sozialen Partnern. Eine Spanne zwischen Armen und Reichen, Genesenen, Erkrankten, Geimpften und nicht Geimpften, eine Spanne zwischen Corona-«Skeptikern» und Corona-«Überzeugten». Wir Mediziner und Medizinerinnen, sollten bei dieser globalen Krise diese Polaritäten so gut wie möglich dämpfen. Ein Symbol des Handels oder sogar der Räuber wäre aktuell für uns zu diesem Zeitpunkt ein falsches Symbol.

Replik zu «Der Merkurstab, ein falsches Symbol für Mediziner in der COVID-Zeit»

Sehr geehrter Herr Kollege Xafis

Ich freue mich sehr über Ihre differenzierte und treffende Replik. Auch ich sehe mit Sorge die von Ihnen beschriebenen Problemkreise und sich vertiefenden Polaritäten, welche uns als Gesellschaft zunehmend vor grösste Herausforderungen stellen werden. Der Caduceus ist ein Symbol, dessen Tiefe und Vielschichtigkeit sich in den Urgründen der Menschheitsgeschichte verliert. Eine der Bedeutungen stammt aus der römischen Epoche, wo Hermes oder damals Merkur tatsächlich auch als Gott der Händler und Diebe verehrt wurde. Man findet in der Literatur auch Hinweise, das Symbol Raphael – dem Erzengel der Heilung – zuzuweisen. Und Heilung ist für mich stets Mitte-Bildung zwischen Polaritäten.

Immerhin hat der Merkurstab uns beide, Herr Xafis, zu ernsthaften Gedanken bezüglich unserer herausfordernden Zeit geführt. Und dies freut mich sehr.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close