Courrier / Communications

Weiter Jojo oder endlich richtiges Contact Tracing?

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19830
Date de publication: 12.05.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(1920):659-660

Dr. med. Daniel Bracher, Bern

Weiter Jojo oder endlich richtiges Contact Tracing?

Wir haben schon einmal die Chance vertan: Als im Frühsommer 2020 nach dem ersten Shutdown die Infektionsraten nahezu null waren, führte ein stümperhaftes Contact Tracing zu einer zweiten Welle.

Dabei fehlte es nicht am Personal (allein im Kanton Bern gab es im Herbst 135 Contact ­Tracer und 20 Kantonspolizisten und 30 externe Angestellte), sondern es lag an den Fehlern in der Durchführung, namentlich am ­gemütlichen Tempo, und daran, dass man bis ins Jahr 2021 nur Personen mit Symptomen testete, obwohl schon lange bekannt war, dass es asymptomatische Spreader und Superspreader gibt.

Wir sollten nun, da neue Mutanten den Impferfolg gefährden, nicht nochmals Fehler machen.

Es ist doch einleuchtend: Steht bei einer Person ein positiver Test fest, so ist das Virus in­zwischen schon wieder weiter, und wenn wir ihm nur hinterhertrotten, können wir seine Verbreitung niemals eindämmen. Es braucht ­einen Spurt, um in seine Höhe gelangen und ihm in den Arm fallen zu können, will heissen:

– Bereits wenn sich eine Person (P1) für einen Test meldet, sind deren Kontakte der letzten Tage (K1) sofort in eine provisorische Quarantäne zu setzen. Fällt der Test bei P1 nach ca. 18 Stunden negativ aus, so wird für die K1 die provisorische Quarantäne aufgehoben. Fällt der Test bei P1 ­jedoch positiv aus, so wird nicht nur für alle K1 die volle Quarantäne angeordnet, sondern auch deren Kontakte der letzten Tage (K2) sind sofort in eine provisorische Quarantäne zu setzen. Die K1 sind wenn möglich am Tag, an welchem der positive Test bei P1 bekannt wurde, zu testen.

Ist der erste Test bei einem K1 negativ, werden dessen K2 aus der pro­visorischen Quarantäne entlassen, die K1 jedoch in Quarantäne behalten und erst z.B. nach 2 und nach 5 weiteren Tagen erneut getestet. Erst wenn bei einem K1 der Test auch nach 5 Tagen negativ ist, wird die Quarantäne bei diesem K1 aufgehoben.

Ist der erste Test bei K1 jedoch positiv, werden nicht nur die K2 in eine volle Quarantäne gesteckt, sondern es wird auch für alle K3 eine provisorische Quarantäne angeordnet usw.

– Das Vorgehen ist nach den IT-Möglichkeiten des Jahres 2021 zu unterstützen.

Nahezu jede erwachsene Person unter 80 Jahren hat heute ein Mobiltelefon. Solange das Virus zirkuliert, muss es obligatorisch sein, ausser Haus Bluetooth einzuschalten, so dass die Kontakte der letzten Tage (K2 bzw. K3 usw.) rasch und nahezu vollständig erfasst werden können. Dies ist ein viel geringerer Einschnitt in die persönliche Freiheit als die heute im Shutdown über Monate verfügten Berufsausübungsverbote.

Zudem muss versucht werden zu er­mitteln, wo sich P1 angesteckt haben könnte, indem eben mit Bluetooth zurückverfolgt wird, mit wem P1 in den letzten Tagen in Kontakt gekommen ist.

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