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Courrier / Communications

Off-label-Medikamente

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19820
Date de publication: 05.05.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(18):613

Dr. med. Ulrich Buser, Facharzt für Hämatologie, Basel

Off-label-Medikamente

Können wir unsere Patientinnen und Patienten noch gut und adäquat behandeln? Der ­Zugang zu wichtigen und vorteilhaften Medikamenten wird durch Behörden und Versicherungen immer mehr eingeschränkt und verhindert. Ich erhielt kürzlich – trotz einem mehrfach und zeitaufwändig gut begründeten Kostengutsprachegesuch für das Medikament Reblozyl® (Luspatercept) – eine willkürliche und negative Antwort der zuständigen Versicherung. Die «richtige» Versicherung zu haben ist oft Glückssache; Off-label-Beurteilungen erfolgen sehr uneinheitlich. Reblozyl® wurde vor ca. 18 Monaten durch die FDA und vor ca. 9 Monaten durch die EMA zugelassen. Der Nutzen dieses Medikaments bei der Behand­lung einer schweren transfusionsbedürftigen Anämie bei spezifischen Formen des Myelodysplastischen Syndroms ist nachgewiesen. Deshalb erfolgte auch die Zulassung in den umliegenden europäischen Ländern und in den USA. In der Schweiz sind offenbar Gesundheit und Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten mit dieser Erkrankung für die Swissmedic und für einzelne Versicherungen jedoch drittrangig. Es ist unverständlich, weshalb die Swissmedic die Zulassung zurzeit verweigert, auch wenn andere kompetente und vertrauenswürdige Kontrollbehörden im grenznahen Ausland den Nutzen unzweideutig bejahen und das Medikament danach in diesen Ländern in die Empfehlungen der Fachgesellschaften aufgenommen wird, mit entsprechender (unverzüglicher) Kostenübernahme bei der definierten spezifischen Indikation. Artikel 71 a–d KVV garantiert zwar für den individuellen Patienten – bei fehlenden Alternativen – eine Kostenübernahme; einige Versicherer kümmert das oft wenig, auch wenn die Herstellerfirma gegenüber der Versicherung eine Kostenbeteiligung zusichert; die Antworten sind jeweils kurz, trotz meist mehrfachen zeitintensiven und ausführlichen Briefkontakten, was in einer Einzelpraxis kaum mehr zu ­bewältigen ist. Die Folge sind – wie in diesem Fall – unnötig häufige Arztbesuche (meist zweimal pro Woche auf Dauer) für eine aufwändige und komplikationsträchtige Transfusionsbehandlung mit assoziierten Nebenwirkungen und Zusatzkosten; Blutspenden könnten besser verwendet werden. Was fehlt, ist eine Lobby, speziell für unsere Patientinnen und Patienten.

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