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Courrier / Communications

Unterassistentinnen und -assistenten werden mit viel Respekt behandelt (avec réplique)

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2021.19717
Date de publication: 31.03.2021
Bull Med Suisses. 2021;102(1314):467

Unterassistentinnen und -assistenten werden mit viel Respekt behandelt (mit Replik)

Brief zu: Bertossa C. Wie der Start ins Wahlstudienjahr gelingt. Schweiz Ärzteztg. 2021;102(9):346.

Als Chefarzt lese ich mit grossem Interesse die Rückmeldungen von angehenden Ärztinnen und Ärzten und Unterassistentinnen und -assistenten in den standespolitischen Medien. Es fällt mir auf, dass die Rückmeldungen der Unterassistentinnen und -assistenten («UHUs») oft negativ sind. Dies betrifft insbesondere die Zusammenarbeit im Ärzteteam. Die häufigsten Beschwerden werden im Bericht von Frau cand. med. C. Bertossa zu­sammengefasst: Respektloser Empfang bei Arbeits­beginn, Einsatz primär als administrative Hilfskraft und Missachtung resp. fehlender Einbezug im medizinischen Alltag. Diese Berichte sind für unsere zukünftigen Ärztinnen und Ärzte nicht motivierend, im Gegenteil. Ich erlaube mir daher darauf hinzu­weisen, dass es in vielen Kliniken auch anders geht und die Unterassistentinnen und -assistenten sehr respektvoll behandelt werden. Dazu gehören unter anderem eine persön­liche Begrüssung und Vorstellung am Ärzte­rapport, klare Verantwortung und Zuständigkeiten, ein strukturiertes praktisches und theoretisches Teaching, und insbesondere der aktive Einbezug auf Chefvisiten, Rapporten und interdisziplinären Patientenbesprechungen. Eine kürzliche Studie hat diese Faktoren bestätigt. GMS | GMS Journal for Medical Education | Wie der Einstieg ins Wahlstudienjahr verbessert werden kann: Qualitative Ergebnisse und Empfehlungen aus Sicht der Studierenden (egms.de). GMS J Med Educ. 2018;35(1): Doc14. Die Unterassistentinnen und -assistenten («Juniors») sind unsere Zukunft. Daher muss es das Ziel jeder Chefärztin und jedes Chefarztes sein, die Block- und Wahl­studien­jahrstudentinnen und -studenten so zu motivieren, dass zumindest einige sich später an der eigenen Klinik um eine Weiterbildungsstelle bewerben.

Prof. Dr. med. Thomas J. Neuhaus, ­Departementsleiter Kinderspital, ­Chefarzt ­Pädiatrie, Kinderspital Luzern

Replik zu «Unterassistentinnen und -assistenten werden mit viel Respekt behandelt»

Über die zahlreichen Reaktionen zu meiner Kolumne mit dem Titel «Wie der Start ins Wahlstudienjahr gelingt» habe ich mich sehr gefreut. Die häufigsten Rückmeldungen lauteten: «Ich habe mich 30 Jahre jünger gefühlt» oder «Ich wurde in meine Zeit als Unterassistentin zurückgeworfen». Ob man dies positiv oder negativ zu beurteilen hat, überlasse ich gerne Ihnen, der erfahrenen Ärzteschaft, ­welche auf diese Zeit zurückblicken kann. Dennoch möchte ich an dieser Stelle kurz zum Diskussionsbeitrag von Herrn Prof. Dr. med. Thomas J. Neuhaus Stellung nehmen.

In meiner Kolumne beschreibe ich eine karikaturistische Momentaufnahme eines ersten Arbeitstages als UHU (Unterassistent/in). Hier möchte ich gerne anmerken, dass dieser selbstverständlich auf sehr unterschiedliche Art und Weise erlebt werden kann. Legen wir doch alle auf unterschiedliche Dinge besonders Wert, haben unterschiedliche Ansprüche, Erwartungen und Interessen sowie unterschiedlich ausgeprägte Ambitionen.

Ich kann jedoch basierend auf meinen ei­genen Erfahrungen bekräftigen, dass klare Strukturen und die Zuweisung von konkreten Aufgaben und Verantwortungen gleich zu Beginn zu einem optimalen und motivierenden Einstieg an einer WSJ-Stelle beitragen. Dar­über hinaus erachte ich die Festlegung von konkreten Zielen, welche im Zeitraum der Unterassistenz erreicht werden können, und ein darauf abgestimmtes interaktives Teaching als wichtige weitere Bausteine. Diese Rahmenbedingungen erlauben aus meiner Sicht einen raschen und effizienten Einstieg und ­sichern längerfristig den höchstmöglichen Lernerfolg.

Auf der anderen Seite sollte man aber ebenfalls die Unterassistenten in die Verantwortung nehmen. Motivation, Lernbereitschaft, Flexibilität und Engagement von ihrer Seite sind das A und O für einen erfolgreichen Einstieg und ebenfalls für eine schnelle Integration ins Ärzteteam.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei allen Ärztinnen und Ärzten bedanken, welche die zukünftige Ärzteschaft, die «Juniors», wie Prof. Dr. med. Neuhaus schreibt, inspirieren, fördern und unterstützen. Sie sind alle unsere Vorbilder und geben uns in manchen schwierigen Momenten Halt, Orientierung und Mut.

Camille Bertossa, Cand. med., ­Universität ­Zürich, ­Vice-President for Public Relations, Swiss Medical Students’ Association (swimsa)

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