Courrier / Communications

SDM: gemeinsame Entscheidungsfindung

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2020.19287
Date de publication: 07.10.2020
Bull Med Suisses. 2020;101(41):1307

Dr. med. Jürg Kälin, Luzern

SDM: gemeinsame Entscheidungs­findung

Brief zu: Rosca A, et al. Gemeinsame Entscheidungsfindung: keine Modeerscheinung. Schweiz Ärzteztg. 2020;101(39): 1239–41

Die dargelegten 12 Mythen sind meiner Meinung nach nicht alles nur Mythen. Gegen das von Jürgen Kaspar vorgelegte Modell der Kommunikation und En tscheidungsfindung ist prinzipiell nichts einzuwenden. Ich frage mich nur, braucht es tatsächlich einen solch riesigen Aufwand mit Symposien von weit­gereisten Experten, um das Konzept der gemein­samen Entscheidungsfindung, abgekürzt SDM oder wie üblich in Englisch «Shared Decision-Making», zu diskutieren. Es ist mir klar, dass die Zeit der Götter in Weiss vorbei ist, aber dass es den gesunden Menschenverstand gibt, wissen wir. Aber wir wissen auch, wie schwierig dieser zu definieren ist. Wir können auf den Philosophen Denis Dide­rot (1713–1784) zurückgreifen: Gesunder Menschenverstand ist jenes Mass von Urteilskraft und Intelligenz, durch dessen Hilfe jeder mit den gewöhnlichen Angelegenheiten der Gesellschaft fertig wird.

Ich behaupte, dass wir in der Praxis täglich SDM angewendet haben und anwenden, ohne zu wissen, dass dies SDM heisst (angeblich ­einer der Mythen). Im Weiteren, um bei den ­sogenannten Mythen zu bleiben, sind viele Patienten damit überfordert oder nicht in der Lage, diesen Prozess mitzuverfolgen, oder lehnen diesen sogar ab.

Es ist durchaus denkbar, dieses vorgeschlagene 6-Schritte-Modell in den Lernkatalog des Medizinstudiums einfliessen zu lassen. Ich befürchte nur, dass als nächster Schritt ein Formular kreiert wird und SDM zwingend ­dokumentiert werden muss und damit der administrative Aufwand in der Praxis um ein weiteres (unnötiges) Element erweitert wird.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close