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Tribune

Praxisassistenzprogramm im Kanton Solothurn

Erfolgreiche Nachwuchsförderung

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2020.18996
Date de publication: 29.07.2020
Bull Med Suisses. 2020;101(3132):948-949

Lukas Zimmerlia, Michael Flurib, Peter Drostec, Christoph Cinad, Florian Leupolde, Sven Streitf, ­Lukas Fennerg

a PD Dr. med., Chefarzt, Innere Medizin, Kantonsspital Olten, Solothurner Spitäler AG (soH), Mitglied Paritätisches Gremium Praxisassistenz (PGP) Kanton Solothurn; b Dr. med., Hausarzt, Hausarztpraxis Weissenstein, Langendorf, Mitglied PGP; c Dr. med., Gruppenpraxis Neuhard, Olten, Mitglied PGP; d Dr. med., Hausarzt, MediZentrum Messen; e Dr. med., Hausarzt, Hausarztpraxis Breitenbach, Breitenbach; f Prof. Dr. med., Leiter Interprofessionelle Grundversorgung, Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM); g Prof. Dr. med., Kantonsarzt, Kantonsärztlicher Dienst, Gesundheitsamt, Kanton Solothurn

Das Solothurner Praxisassistenzprogramm Hausarztmedizin ist erfolgreich und dient dem Nachwuchs als Steigbügel in den späteren Praxiseinstieg. Dies zeigt eine aktuelle Evaluation des Berner Instituts für Hausarztmedizin.

Gut ausgebildete, kompetente Hausärztinnen und Hausärzte sind das Rückgrat einer qualitativ hochstehenden Grundversorgung der Bevölkerung. Um einem drohenden Hausärztemangel entgegenzuwirken, führte der Kanton Solothurn 2008 ein Praxisassistenzprogramm ein. Junge Kolleginnen und Kollegen können während der Praxisassistenz (PA) hausärztliche Kenntnisse und Arbeitsweisen erlernen und so verstehen, was der Hausarztberuf umfasst.

Gleichzeitig wird damit auch ein Systemmangel be­hoben: Wer sich für ein Praktikum in einer Hausarztpraxis entscheidet, muss finanzielle Einbussen in Kauf nehmen. Die PA-Stellen hingegen werden wie eine Assis­tenztätigkeit am Spital entlohnt. So entfällt der negative finanzielle Anreiz, und die Hausarztmedizin wird für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiver.

Die PA-Stellen dauern in der Regel sechs Monate zu 100%. Die Praxisassistentinnen und Praxisassistenten werden von der Solothurner Spitäler AG (soH) angestellt. Ursprünglich schuf der Kanton sechs PA-Stellen; seit 2011 sind es deren neun. So konnten zwischen 2008 und 2018 insgesamt 69 Praxisassistenzen realisiert und vom Kanton mitfinanziert werden. Die hohe durchschnittliche Auslastung von über 80% zeigt, wie beliebt die Ausbildungsplätze bei den angehenden Hausärztinnen und Hausärzten sind.

Für die Programmorganisation und -koordination ist das Paritätische Gremium Praxisassistenz (PGP) verantwortlich. Es setzt sich aus je zwei Vertretern bzw. Vertreterinnen der soH und dem Verein mfe Haus- und Kinderärzte Solothurn (HASO) zusammen. Das PGP stellt sicher, dass die Praxisassistenz als Weiterbildung für die Facharzttitel Allgemeine Innere Medizin sowie Kinder- und Jugendmedizin anerkannt wird. Die Qualität der Ausbildung wird ständig überprüft und ist auf einem hohen Niveau gesichert.

Eine Erfolgsgeschichte

Den Erfolg des PA-Programms bestätigt jetzt auch eine Evaluation, die das Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) im Auftrag des Kantons Solothurn durchgeführt hat: 70% der ehemaligen Praxis­assistenzärzte und -ärztinnen arbeiten heute in einer Gruppenpraxis als Hausarzt oder Hausärztin. Nur ­gerade 10% der Teilnehmenden haben sich nach Abschlus­s gegen eine Tätigkeit in der Grundver­sorgung entschieden. Noch erfreulicher ist, dass die Mehrheit sich für eine Praxistätigkeit im Kanton ­Solothurn entschieden hat.

Das unterstreicht den zentralen Stellenwert des PA-Programms in der Nachwuchsförderung von Hausärztinnen und Hausärzten. Die Evaluation zeigt ausserdem, dass die Erfahrungen durch die Weiterbildung für 90% der ehemaligen Praxisassistenzärztinnen und -ärzte wichtig oder sehr wichtig für die spätere Praxis­tätigkeit waren.

Politischer Wille für einen Ausbau ist da

Die Hausarztmedizin ist ein zentraler Grundpfeiler der Gesundheitsversorgung. Das qualitativ hoch­stehende und kostengünstige Angebot an ambulant tätigen Grundversorgern ist für den Kanton Solothurn unverzichtbar. Das erfolgreiche Instrument soll auch in ­Zukunft weitergeführt werden. Dies ist abhängig ­davon, ob der Kantonsrat die erfor­derlichen Mittel zur Verfügung stellt. Auch die HASO und die soH ziehen ein durchwegs positives ­Fazit.

Heute hat das Interesse an der Hausarztmedizin bei den Studierenden deutlich zugenommen. Diesen ­jungen Kolleginnen und Kollegen eine PA zu ver­mitteln wird auch in Zukunft der Weg sein, um dem Hausärztemangel entgegenzutreten, der sich mittelfristig aufgrund der Pensionierungen weiter ver­stärken wird. Der Kanton Solothurn möchte mit den im PGP in­volvierten Partnern soH und HASO weiterhin dafür ­sorgen, dass auch in Zukunft überall im Kanton kompetente und motivierte Hausärztinnen und Hausärzte in der Grundversorgung tätig sein werden.

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Crédits

Lukas Zimmerli, Michael Fluri, Peter Droste, Christoph Cina, Florian Leupold, Sven Streit, Lukas Fenner

Adresse de correspondance

Prof. Dr. med. Lukas Fenner, Kantonsarzt
Gesundheitsamt
Ambassadorenhof /
Riedholzplatz 3
CH-4509 Solothurn
Tel. +41 32 627 93 71
lukas.fenner[at]ddi.so.ch
gesundheitsamt.so.ch

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