Courrier / Communications

Die Gesellschaft und Corona

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2020.18802
Date de publication: 01.04.2020
Bull Med Suisses. 2020;101(14):496-497

Dr. med. Andreas Zurbuchen, Beinwil (Hausarzt, 65-jährig)

Die Gesellschaft und Corona

Die Schweiz im Taumel einer weltweiten Grippeepidemie. Was wir beobachten in unseren Tagen: das Spiegelbild einer verwöhnten und überalterten Gesellschaft.

Sterben war weit in die Ferne gerückt, und die Medizin, die ja so teuer ist, hatte sich jedem Problem und jeder Todesgefahr in jedem Alter anzunehmen!

Die meisten glauben wohl immer noch an den Darwinismus, aber wenn das Prinzip der natürlichen Selektion einmal etwas deutlicher zutage tritt, gerät man in Panik. Die Perspek­tiven werden verschoben, und ganze Zweige von Wirtschaft und Tourismus werden schwer geschädigt, um die Kurve der Infektionen ­etwas verflachen zu können.

Es mag durchaus sinnvoll sein, dass man den gefährdeten Gruppen dringend empfiehlt, sich für eine Zeit selbst zu isolieren, und dass man sie unterstützt dabei, dass sie sich nicht exponieren müssen. Aber muss man deshalb eine ganze Volkswirtschaft an die Wand fahren? Die Statistiken zeigen klar, welche Altersgruppen und Vorerkrankten die Gefahr laufen, die Grippe nicht zu überstehen.

In Afrika (wo ich eine Zeit lang gearbeitet habe) und andern Gebieten auf der Welt, ist man gewohnt, vorhandene Ressourcen so aufzuteilen, dass die mit der grössten Chance zu überleben zuerst bedient werden (z.B. mit Intensivtherapie).

Wäre es nicht an der Zeit, etwas mehr Bodenhaftung zu entwickeln und sich zwar gewisser Risiken bewusst zu werden, aber sie auch dif­ferenziert einzuschätzen? Unser aller Leben kann jederzeit in Lebensgefahr geraten, und je älter wir werden und je morbider, desto mehr sollten wir nun einmal damit rechnen, dass unser Leib nicht für eine Ewigkeit angelegt ist …

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