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Courrier / Communications

Stellungnahme zu den aktuellen Ärztelöhnen in den Medien

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.17394
Date de publication: 05.12.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(49):1740

Dres. med. Alexandra Ludwig, Iris Schäppi, Matthias Schnorf, Markus Süss, 
Fachärztinnen/Fachärzte für Psych­iatrie und Psychotherapie

Dres. med. Barbara Birchler, Susanne Fischer, Fachärztinnen für Kinder- und Jugend­psychiatrie und -psychotherapie

Stellungnahme zu den aktuellen Ärztelöhnen in den Medien

Nach der Publikation der Studie des Bundesamtes für Gesundheit über Ärzteeinkommen im November 2018 (Datenlage 2009 bis 2014, d.h. vor dem bundesrätlichen Tarifeingriff) wird berichtet, Ärzte verdienten viel mehr als vermutet, sie seien Abzocker auf Kosten der Grundversicherung.

Zu anderen Zahlen kommt die Studie des ­Bundesamtes für Statistik, in ihr wird, deckungsgleich mit Zahlen einer FMH-Studie, das Durchschnittseinkommen eines selbständig arbeitenden Arztes mit 155 000 CHF beziffert.

Gemäss der eingangs erwähnten Publikation würden selbständig tätige Psychiater ein Medianeinkommen von 197 000 CHF generieren. Als Vertreter dieser ärztlichen Berufsgruppe, die zusammen mit den Kinder- und Jugendpsychiatern zuunterst auf der Einkommensliste aller ärztlichen Fachrichtungen steht, wider­sprechen wir dieser Einschätzung (die z.T. auf einer Hochrechnung von Teilzeitlern auf Vollzeit basiert) vehement. Wenn wir alle Tarifvorgaben berücksichtigen, die tatsäch­lichen Konsultationszeiten und nicht mehr als 60 Minuten Leistung in Abwesenheit (exklusive neuerdings unverrechenbarer Denk- und Konzeptarbeit!) pro Monat und Patient erfassen dürfen, ist die Erreichung eines Einkommens wie oben erwähnt nicht möglich, wenn die Behandlungsqualität, etwas, das uns ein grosses Anliegen ist, gewährleistet werden soll. Deshalb fordern wir, dass all die grosse Arbeit, die neben den Konsultationen in ­unseren Praxen gehäuft anfällt (Kontaktpflege zu Angehörigen und Netzwerken der Patienten, enge Begleitung von suizidalen ­Patienten, Zusammenarbeit mit Schulen, In­stitutionen und Behörden), honoriert wird. Noch eindringlicher fordern wir, dass unsere sehr intensive, beanspruchende psychia­trisch-psychotherapeutische ärztliche Arbeit, welche einer hochkomplexen, oft belastenden Beziehungsarbeit entspricht, nicht minder gewertet wird als die Arbeit der somatischen Ärzte.

Wir sind uns bewusst, dass wir den Outcome unserer Arbeit viel weniger gut belegen können als die Somatiker. Wir können nicht messen, wie viele Arbeitsunfähigkeiten wir verhindert, wie oft wir bei Bindungsstörungen helfen konnten, was der Wert unserer Begleitung bei posttraumatischen Störungen ist, ­allenfalls auch ob wir Operationen dank adäquater Behandlung von Schmerzstörungen verhindert haben. Wir wissen, dass wir durch unsere Interventionen immer wieder helfen, Suizide zu verhindern, und sind überzeugt, dass unsere spezielle fachärztliche Expertise eine wirksame und wichtige Leistung darstellt, sowohl im Rahmen unseres Auftrages im Gesundheitssystem als auch für die Lebensqualität unserer Patienten.

Diese unsere ärztliche Leistung soll entsprechend unserem Einsatz wertschätzend honoriert werden. Humanität und – manchmal Zeit und Geduld forderndes – Engagement dürfen und sollen unser Tun prägen, auch dafür stehen wir.

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