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Courrier / Communications

"Der Arztberuf ist ein Beziehungsberuf..."

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.17242
Date de publication: 17.10.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(42):1452

Dr. med. Andreas Würmli, 
Praxispädiater, Altstätten

«Der Arztberuf ist ein Beziehungs­beruf ...»

Brief zu: Barben J. Quo vadis bezahlbare Medizin? Schweiz ­Ärzteztg. 2018;99(39):1332–5.

Der oben genannte Artikel bringt vieles auf den Punkt. Gratulation!

Die Schweiz ist und bleibt ein teures Land – in jeder Hinsicht. Dort, wo das Lohnniveau hoch ist, dort kann und soll auch nicht im Sozial­bereich gespart werden. Aus dieser Sichtweise wird schon klar, dass die Schweiz nie eine ­billige Spitzenmedizin betreiben kann. Wie im Artikel gezeigt, schwimmt die Schweiz ­bezüglich der Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt mit den umliegenden Ländern mit. Also sollte auch die Politik kapieren, dass sie das Gesundheitswesen nicht teuer reden soll. Es ist im Durchschnitt mit den andern vergleichbaren Ländern!

Die genannten Umwälzungen der Kosten im ambulanten medizinischen Bereich (der Staat zog sich aus der Mitfinanzierung zurück) haben vor allem die Prämienerhöhungen verursacht. Die Sündenböcke für diese Erhöhungen wurden aber immer in der Medizin gesucht ...

Eine Ökonomisierung der Medizin ist nur bedingt möglich, weil es nicht um Waren geht, sondern um Menschen. Maschinen kann man reparieren, den Menschen kann man «nur» heilen. Eine Maschine kann man ersetzen, den Menschen sollte man unterstützen. Eine Maschine kann man ausrangieren, den Menschen sollte man begleiten und umsorgen. – Der Mensch ist doch einfach zu kostbar, um ihn einfach auf die Kosten zu reduzieren.

Dort wo die Ökonomie wirklich noch funktionieren sollte, dort wird nicht hingeschaut. Was wollen eigentlich die Krankenkassen? Wieviel kosten uns diese? Wieso ist es möglich, im Fernsehen zu den besten Sendezeiten Krankenkassen-Werbung zu sehen? Was bringt uns das in der Medizin, dem Menschen? Geht es ihnen wirklich um die kranken Menschen oder doch nur um die Zahlen? Was bedeutet denn ein Gewinn bei den Krankenkassen? Gibt es den wirklich nicht? Wo verschwindet dieses Geld?

So komme ich wieder zum Anfang: «Der Arztberuf ist ein Beziehungsberuf ...» Er lässt sich nicht einfach ökonomisieren und kontrollieren. Er ist individuell, vergänglich, unfassbar.

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