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Courrier / Communications

Lust auf Medizinstudiium

DOI: https://doi.org/10.4414/bms.2018.06943
Date de publication: 25.07.2018
Bull Med Suisses. 2018;99(3031):978

Dr. med. Peter Marko, St. Gallen

Lust auf Medizinstudium

Brief zu: Scholer M. «Wir haben das Privileg, auf der grünen Wiese zu bauen.» Schweiz Ärzteztg. 2018;99(26–27):898–900.

Nach dem Durchlesen dieses Artikels bekam ich direkt Lust, wieder Medizin zu studieren. Das Studium wird neuen Möglichkeiten, Bedingungen und Zielen angepasst. Bereits vor fast 60 Jahren bereiteten wir uns praktisch ausschliesslich mithilfe von Büchern und Skripten auf Prüfungen vor. Wie viel Zeit haben wir mit dem obligatorischen Besuch der teilweise didaktisch minderwertigen Vorlesungen verbracht? Wir waren begeistert von den Vorstellungen der Patienten und von der praktischen Arbeit. Es war mir nicht klar, ­warum wir Krankheiten zerstückelt nach Fächern lernten: zuerst Pathologie, dann Pathophysiologie und am Ende das entsprechende klinische Bild mit den Symptomen. Für die wichtige Differentialdiagnose hatten wir teilweise spezielle Bücher. Dagegen scheinen die heutigen digitalisierten Lehrbücher mit den Querverbindungen zu den verschiedenen ­Kapiteln, Fächern märchenhaft. Es ist zu wünschen, dass sich auch andere medizinische Hochschulen dem beschriebenen neuen Modell des Studiums annähern.

Ich war überrascht, als ich kürzlich las, dass zu den von der Digitalisierung bedrohten Berufen Ärzte gehören. Es war die gegenwärtige Form des Berufes gemeint. Die neue Art der Medizin zieht bereits in die Praxis ein. Z.B. ein Dermatologe in St. Gallen bietet die Beurteilung der eingesandten Fotos an und entscheidet, ob der Patient die Hautänderung einem Dermatologen zeigen solle. Die Krankenkassen gewähren Prämienermässigungen, wenn man sich vor der Visite bei einem Arzt telefonisch beraten lässt. Die Auswertung des Langzeit-EKGs wäre ohne apparative Programme nicht so effizient, Röntgenbilder werden jetzt maschinell beurteilt, und sogar gewisse Formen von Psychotherapien sollen von Algorithmen nicht weniger wirksam sein als von Menschen. Vielleicht verlieren manche Patienten eher ihre Hemmungen, sich zu öffnen. Viel Arbeit und Zeit werden die Spracherkennungssysteme sparen.

Im Moment gibt es noch nicht genügend Ärzte. Es hilft nicht, für die einzelnen Spezialitäten zu werben, eine sowieso systemfremde Massnahme, sondern die grosse und schwierige Aufgabe der Fachgesellschaften ist, ihre Mitglieder für die künftigen Änderungen vorzubereiten und ihnen den Übergang zu erleichtern. Der Artikel über das neue Medizinstudium zeigt, wie sachlich und zielgerichtet es sein kann.

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